Zeitzeuge

Frieli, die Friedenslinde

Ort und Gestalt

Frieli steht an der Südseite der Neustädter Marienkirche, ca. 20 m von der Kreuzstraße, 15 m von der Kirche und 20 m von der Breiten Straße entfernt. Ihr Stamm ist hohl, wie bei fast allen Linden ihres Alters. Sie ist der älteste und dickste Baum Alt-Bielefelds und natürlich vom Leben gezeichnet: Ihre Borke trägt große, warzenartige Geschwüre und kräftige Leisten, die sie herausgebildet hat, um ihre ausladenden Stämm¬linge abzustützen. Ihre Krone neigt sich ein wenig der Kirche zu. Die Hauptäste sind durch Drahtseile und Gummischlaufen miteinander verspannt, um zu verhindern, dass im Sturm einzelne Äste herausbrechen und herunterfallen. Von ihrem Standort aus überblickt sie seit Jahrhunderten die gesamte Kreuzstraße, den Spiegelschen Hof, die Kreuzung Niederwall/Detmolder Straße mit dem Landgericht, die Burgstraße und die Sparrenburg.

Baumart

Sommerlinde, Tilia platyphyllos. Man erkennt Linden an den herzförmigen Blättern, den oft geknieten Ästen, der grobrissigen, oft welligen und buckligen Borke. Der Stamm wird im Alter meist hohl: Das Stammholz fault von innen weg, was der Standfestigkeit des Baumes aber nicht schadet. Alte Linden erreichen die größten Stammumfänge von allen hiesigen Baumarten. Die beiden heimischen Arten Sommer- und Winterlinde sind schwer zu unterscheiden, zumal es auch noch einen Mischling gibt, die Holländische Linde.

Geschichte

Die Neustädter Marienkirche wurde ab 1293 als zweitürmige Stiftskirche in gotischem Stil gebaut und ist das älteste Gebäude Bielefelds. Die Kreuzstraße war bis 1944 eine enge Gasse mit zahlreichen Fachwerkhäusern und mehreren Adelshöfen aus der Renaissance-Zeit, darunter der um 1550 gebaute Spiegelshof. Gegenüber an Stelle des heutigen Lutherstifts stand der Rosenhof. Auf der heutigen Kreuzung stand das Siekertor der Stadtmauer, die von dort noch etwa 300 m weit südwestlich verlief und den Hang des Sparrenbergs erklomm (entlang der heutigen Kesselstraße). Auf der Ostseite der Breiten Straße, wenige Meter unterhalb der Kirche, stand im Mittelalter das Neustädter Rathaus. Erst 1520 wurden „Altstadt“ und „Neustadt“ vereint. 1703 zerstörte ein Sturm die gotischen Turmhelme der Marienkirche; sie wurden durch barocke Zwiebeldächer ersetzt, die beim Bombenangriff 1944 abbrannten, ebenso wie die meisten Fachwerkhäuser des Viertels. Um 1960 wurde die Kreuzstraße massiv verbreitert; diesem Akt vielen mehrere erhalten gebliebene Fachwerkhäuser und Adelshöfe zum Opfer, darunter der Rosenhof.

Status und Pflege

Frieli ist ein geschütztes Naturdenkmal. Sie steht auf dem Kirchengrundstück der Neustädter Marienkirchengemeinde, wird vom Umweltamt der Stadt Bielefeld betreut und von den Umweltbetrieben gepflegt. 2003 galt sie als gesundheitlich gefährdet, hat sich seitdem aber wieder erholt.